Les petites fugues – Kleine Fluchten von Yves Yersin, CH/F 1979
Auf einem Bauernhof mit traditionellen Hierarchien vollzieht sich ein erst stiller, dann aber umso heftigerer Umbruch: Der Knecht Pipe, seit mehr als dreissig Jahren eine treue und zuverlässige Arbeitskraft, kauft sich mit seiner Altersrente ein Mofa. Diese für die Bauernfamilie völlig unverständliche Anschaffung verändert schlagartig sein Leben. Der Saisonnier Luigi hilft ihm dabei, allmählich das Gleichgewicht auf den zwei heimtückischen Rädern zu finden. Nach zahlreichen wackligen Versuchen unternimmt Pipe erste Entdeckungsfahrten in der näheren Umgebung und beginnt darüber, seine Arbeit zu vernachlässigen. Yves Yersins ungemein sorgfältiger und poetischer Film schildert auf heitere Art den glaubhaften und einleuchtenden Prozess einer Selbstbefreiung. Einer der subtilsten und originellsten Filme zum Thema 'Freiheit auf Rädern'.
Mit Michel Robin, Fabien Barraud u. A. www.artfilm.ch/petitesfugues Sprache: Französisch, Deutsch, Schweizer-deutsch, Italienisch mit deutschen Untertiteln
Beginn 20:00 Uhr, Bar offen ab 19:00 Uhr ______________________________________________________________________________
Samstag, 18. September 2010 20.00 Uhr
LÄRM UND STILLE - LESUNG MIT MUSIK
Nur im Weltall ist es wirklich still Sieglinde Geisel, Lesung
Etudes Australes von John Cage und Nocturnes von Erik Satie Tomas Bächli, Klavier
Lärm entsteht im Kopf, deshalb ist es so schwer, sich über Lärm zu verständigen. In ihrem Buch Nur im Weltall ist es wirklich still (Galiani Berlin, März 2010) geht Sieglinde Geisel der Frage nach, was der Lärm mit uns anstellt, wie wir mit ihm leben können, und warum wir die Stille fürchten, nach der wir uns doch so sehr sehnen.
John Cage hat sich in seinem Werk mit der Stille auseinandergesetzt, ohne dabei zu verstummen. Vielmehr unterwandert seine Musik unsere Begriffe von Lärm und Stille. Die Etudes Australes, die Tomas Bächli im Wechsel mit der Lesung spielt, wirken daher nicht als Illustration des Texts, sondern als Ergänzung, ebenso die Nocturnes von Erik Satie, der mit seiner „musique d’ameublement“ vielleicht die Hintergrundmusik erfunden hat, die für manche Menschen zum Lärm gehört.
John Cage hatte seine eigene Methode der Lärmbekämpfung, wie man in Geisels Buch erfährt: „Wenn ein Lärm Sie stört, hören Sie ihm zu.“ Seine Etudes Australes hat er mit Hilfe von Sternkarten geschrieben. Entstanden ist eine Musik, die ihre Schönheit aus der vermeintlichen Absichtslosigkeit des Komponisten bezieht. Immer wieder meint man, Zitate zu hören, aus allen Stilepochen der Musikgeschichte. Offenbar gelingt es Cage mit seiner vom Zufall bestimmten Kompositionsmethode, Klänge verschiedenster Herkunft in die Musik zu integrieren – ihnen also vorurteilslos zuzuhören.
Sieglinde Geisel, * 1965 in Rüti/ZH, lebt in Berlin als
Buchautorin und Journalistin (v.a. NZZ, DeutschlandRadio, Le Monde
Diplomatique). Im Frühling 2010 erscheint bei Galiani Berlin Nur im
Weltall ist es wirklich still. Vom Lärm und der Sehnsucht nach Stille.
(Im Jahr 2008 erschien im wjs-Verlag Irrfahrer und Weltenbummler. Wie
uns das Reisen verändert.)
Tomas Bächli, * 1958 in Zürich, lebt
in Berlin als Konzertpianist und Klavierlehrer.
Reservationen:
076 343 32 82 Ab 19.00 Uhr ist die Bar geöffnet. ______________________________________________________________________________
Montag, 4. Oktober 2010 20.00 Uhr
Filmclub Philosophe
Kundun von Martin Scorsese, USA 1997
1937 wird Tenzin Gyatso, Sohn einer tibetischen Bauernfamilie, als 14. Reinkarnation des "Buddha of Compassion" erkannt. Verehrt als bisher letzter Dalai Lama, wird der Junge von den grössten Gelehrten seiner Nation erzogen und darauf vorbereitet, sein Volk zu regieren. Als 15jähriger wird der geistige und politische Kopf Tibets mit der Brutalität der chinesischen Invasoren konfrontiert. Dennoch weicht er nicht vom Prinzip der Gewaltlosigkeit ab. 1959 flüchtet der Dalai Lama ins indische Exil, das er bis zum heutigen Tag nicht aufgeben konnte. In faszinierenden Bildern und untermalt mit magischer Musik, schildert Scorsese die beeindruckende Biografie des gegenwärtigen Dalai Lama. Der wohl berühmteste Buddhist arbeitete selbst am Drehbuch mit. Am 7. Oktober 2010 dauert die chinesische Okkupation 60 Jahre.
Mit Tenzin Thuthob Tsarong, Gyurme Tethong, Tencho Gyalpo u. A.
Sprache: Englisch, Tibetisch, Mandarin mit deutschen Untertiteln
Das Herz von Jenin von Marcus Vetter und Leon Geller, DE 2008
Die wahre Geschichte Ismael Khatibs, dessen 12-jähriger Sohn Ahmed 2005 im Flüchtlingslager von Jenin von Kugeln israelischer Soldaten tödlich am Kopf getroffen wird. Nachdem die Ärzte im Krankenhaus nur noch Ahmeds Hirntod feststellen können, entscheidet der Palästinenser Ismael, die Organe seines Sohnes israelischen Kindern zu spenden und damit deren Leben zu retten. Zwei Jahre später begibt er sich auf eine Reise quer durch Israel, um diese Kinder zu besuchen. Eine schmerzhafte und zugleich befreiende Reise, denn durch die Kinder kommt Ismael auch seinem Sohn wieder ganz nah. Ein kraftvolles Plädoyer für Menschlichkeit aus Palästina www.arsenalfilm.de/herz-von-jenin Sprache: Hebräisch und Arabisch mit deutschen Untertiteln
Die palästinensische Menschenrechts- und Friedensaktivistin Sumaya Farhat-Naser liest aus ihrem neusten Buch „Disteln im Weinberg“. Sie schildert ihren Alltag im besetzten Palästina, berichtet von ihrer Familie, ihren Verwandten und deren Schicksalen, von ihrer Friedensarbeit in Schulen und in Frauengruppen, von schwierigen und gefährlichen Auseinandersetzungen mit Israelis an den Checkpoints, aber auch vom Wiederaufbau ihres Weinbergs, von ihrer Kultur und von traditionellen Festen.
Sumaya Farhat-Naser war Professorin für Botanik und Ökologie an der Universität Birzeit in Palästina. Von 1997 bis im 2001 leitete sie das palästinensische „Jerusalem Center for Women“, welches im „Jerusalem Link“ mit der israelischen Frauenorganisation Bat Shalom zusammen arbeitet. Für ihre Arbeit wurde sie mit verschiedenen Friedenspreisen ausgezeichnet. Sie besucht die Schweiz regelmässig und hält Vorträge, leitet Seminare und spielt eine wichtige Rolle als Brückenbauerin und „Übersetzerin“ zwischen den deutschsprachigen Ländern und Palästina.
Eintritt: 20.- / Begünstigte 15.-
Reservationen: 076 343 32 82
Ab 19:00 Uhr ist die Bar geöffnet. _______________________________________________________________________________
Montag, 6. Dezember 2010 20.00 Uhr
Filmclub Philosophe
Schmetterling und Taucherglocke von Julian Schnabel, Frankreich 2007
Der gut aussehende und erfolgreiche Jean-Dominique Bauby führt ein Leben auf der Sonnenseite. Er ist Chefredakteur der französischen ELLE, Vater dreier Kinder und hat eine bezaubernde Geliebte. Eines Tages trifft ihn aus heiterem Himmel ein Schlaganfall, der ihn fast all seiner Lebensmöglichkeiten beraubt. Mit dem Blinzeln seines linken Augenlids, seiner letzten Verständigungsmöglichkeit, diktiert er seine Memoiren. Ein einzigartiges Dokument und ein Akt der geistigen Selbstbehauptung. Der Schlaganfall hat Bauby zu einem Schriftsteller gemacht, der mit bewundernswertem Humor seine Situation analysiert und von Regisseur Julian Schnabel in einem Meisterwerk wiedergegeben wird.
Diverse Auszeichnungen und Nominationen u. A. für die beste Regie.
Sugar and the Josephines besingen und beswingen mit viel Charme und kabarettistischem Flair die Zeiten der 30er Jahre bis hin zur Gegenwart. Dabei begegnet das Publikum diversen Grössen aus der Musikgeschichte wie zum Beispiel: Marlene Dietrich, Edith Piaf, Marilyn Monroe, Ella Fitzgerald, Louis Armstrong, Ray Charles, Elvis Costello und vielen mehr.
Das Quintett um die Sängerin Marion Weik vermag mit ihrer unbändigen Spielfreude und der professionellen Bühnenpräsenz jedes Publikum von Jung bis Alt zu begeistern. Neben bekannten Songs von erwähnten Musiker/Innen werden auch Eigenkompositionen dargeboten.
Marion Weik, vocals performance, Steven Parry piano, vocals; Benno Ernst guitar vocals